Mein Doktortitel ist gekauft – na und?

Wenigstens ist er nicht abgeschrieben und zusammen geklaut!

Es gibt dicke Menschen, es gibt dünne Menschen. Große und kleine. Schlaue und Dumme. Doch wer sagt, was dumm ist und was nicht? Forrest Gump sagte: Dumm ist, wer Dummes tut. Von Menschen die entsprechend agieren, gibt es mittlerweile mehr als genug. In längst vergessenen Zeiten, Zeiten welche schon länger her sind, als ein Gymnasiast multiplizieren kann, war das irgendwie anders. Da gab es eine ordentliche Trennung von allem. Gut und böse. Reich und arm. Schlau und dumm. Denker und Macher. Es war ganz klar: Hauptschüler wurden so etwas wie Handwerker, Bergleute oder Arzthelferinnen und Frisöre. Gymnasiasten Ärzte und Ingenieure. So einfach war das früher. Die Realschule ist etwas problematischer zu klassifizieren. In der Regel wählten die Jungs und Mädels von dort etwas kaufmännisches aus. Wer mehr ein Realschüler vom Typ Macher war, der wurde halt Polizist. So einfach war das. Dummerweise (im wahrsten Sinne des Wortes) muss die Generation “No Future” ja alles anders machen. Sinnlose antiautoritäre Kindererziehung. Walddorfschule und bloß nicht mit der eigenen Meinung rausrücken. Nicht anecken. Konform sein! Doch konform womit? Der heutigen Jugend fehlt es an Meinung, Zielen und eigenständigem Denken. Der Konsum von Medien, Informationen, Entertainment usw. ist höher angesehen, als selber Inhalte zu schaffen. Diese Tatsache zieht sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens.

Doofe Kinder sind so toll!

Um jedem noch so dummen Kind wenigstens das Abitur zu verschaffen, wurden in den letzten Jahren die Anforderungen immer weiter nach unten geschraubt. Profane Flächenberechnung und Orthografie wird für die Abiturienten von heute zu einer unüberwindbaren Hürde. Sicherlich wird heute mehr Lernstoff vermittelt als früher. Doch um welchen Preis? Es wird von Klausur zu Klausur auswendig gelernt. Nach der Leistungsüberprüfung wird das Gehirn resetet und es geht mit dem nächsten Thema weiter. In den besseren Zeiten wurde Wert auf Verständnis und die Fähigkeit, vorhandenes Wissen zu verknüpfen, gelegt. Davon sind die heutigen Schüler meilenweit entfernt. Von A nach B nach C. Fehlt B ist C unerreichbar. So einfach ist das. Wer das Klassenziel nicht erreichte, durfte eine Ehrenrunde drehen, wer dann immer noch überfordert war, der ging halt auf die nächste niedere Stufe des Lernens. Die Reihenfolge Gymnasium, Real-, Hauptschule und dann, wenn wirklich gar nichts ging Sonderschule, war eigentlich etabliert. Dann wurde man halt Schlosser und nicht Dipl. Ing. Alles gar kein Drama. Man wusste sich schließlich selbst einzuschätzen. Fragt mich jemand, warum ich in Mathe so schlecht war, muss ich leider sagen: Ich bin zu blöd. Heute haben die armen Kinder Diskalkulie oder schlimmer: Der Lehrer kann den Nachwuchs Einstein nicht leiden. Wer es wagt, einen Jugendlichen nach seiner fünf in Mathe zu fragen, bekommt zu hören, dass diese Note gar nicht des Filius Können beschreibt. Ja, was denn bitte sonst? Sechs setzen. Damit war die Sache früher erledigt.

Recht auf gute Noten

Heute klagen die Eltern gegen schlechte Noten ihrer Sprößlinge vor Gericht und bekommen erschreckenderweise Recht. Es ist lustig zu sehen, wie junge Menschen mit Abitur KFZ-Mechaniker, Frisör oder Einzelhandelskaufmann werden. Werden sie nach ihrem Job gefragt, bekommt man lustige Sachen, wie Hair-Designer oder Mechatroniker oder Developement Accounter zu hören. Ein schönes Beispiel ist der “Mediengestalter”, früher klassischer Schriftsetzer. Hauptschule bis mittlere Reife waren völlig ausreichend, um diesen Job zu erlernen. Heute ist es schon fast unmöglich, mit Realschulabschluss auch nur zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Ist die Fachkompetenz höher als früher? All die tollen Werkzeuge, wie Photoshop, Indesign usw. als Garant für hochwertige Printprodukte? Leider nein. Davon abgesehen, dass die Jugendlichen mit Abitur kaum in der Lage sind, einen Text fehlerfrei abzuschreiben (ich muss das nicht können, ich bin Hauptschüler und Bergmann) fehlt es einfach an echten Grundkenntnissen, gestalterischem Gefühl und Begeisterung für den Beruf. Fragt man nach den Grundeinstellungen in Photoshop, machen die Facharbeiter große Augen und fragen: Wie jetzt? Installieren reicht doch! Nur zur Info: Nein, reicht nicht.

Wo ist die Elite?

Die Überflieger? Weit und breit nichts von neuen Einsteins, Goethes und Co. zu sehen. Es wird kopiert und verteilt ohne Rücksicht auf Verluste. Bestes Beispiel ist zu Guttenberg. Obwohl er nicht der aktuellen Generation der Verlierer angehört, bediente er sich schamlos an den Werken anderer, um mehr zu sein als er ist. Ebenfalls ein Phänomen. Jeder möchte etwas sein, was er nicht ist und nicht sein kann. Hat der Gefragte keine plausible Ausrede für das scheitern, werden Fragen wie: Was machst Du beruflich? Gar nicht oder nur ausweichend beantwortet. Eine der üblichen Antworten: Das kann man nicht so einfach sagen, was ich mache ist sehr speziell, dafür gibt es keine Bezeichnung.

Ich bin Bergmann – na und?

Was ist so schlimm, wenn man sagt: Ich bin Bergmann, Frisör, Arzt oder Dipl. Ing? Ich für meinen Teil stehe zu meiner Herkunft. Ich bin und bleibe Bergmann. Ich kann auf eine solide Ausbildung zurückblicken – auf echte Kameradschaft und Teamgeist, was so selbstverständlich war und ist, das es keiner Teambildungsmaßnahmen bedurfte. Ein Mann, ein Wort! Das ist mein Motto und das sollte eigentlich für alle selbstverständlich sein. Auch hier muss zu Guttenberg wieder herhalten. Anstatt zu sagen: Ja, ich habe betrogen, es tut mir leid, knickt er ein und wirft das Handtuch. Offensichtlich konnte Herr Verteidigungsminister wohl doch nicht so gut verteidigen. Wobei ich mich frage, ob ein Doktortitel in Chemie/Physik Frau Merkel befähigt unser schönes Land zu führen. Ich behaupte einfach: Nein. Was waren das für Zeiten, als man nicht jedes Wort und jede Tat abwägen musste. Man “machte” einfach und wenn es nicht gut war, fing man nochmal von vorne an.

Was man anfängt, beendet man auch

Für mich persönlich gilt nach wie vor: Was ich anfange, beende ich auch. Heute wird beim kleinsten Anzeichen von Misserfolg alles hingeworfen und ein neues Projekt gestartet. Es ist nicht mehr “En Vogue” etwas zu Ende zu bringen. Sobald kleinste Widrigkeiten absehbar sind: Schockstarre, halt, zurück. Atomausstieg ja, ach nee, später oder lieber doch nicht? Zu Guttenberg brachte die Bundeswehrreform auf den Weg, sein Nachfolger findet die Reform unschön und denkt über ein Zurück nach. Vielen Dank, liebe Politiker, für das gute Beispiel, das ihr den Kindern gebt.

Hurra, alle sind schlau

Hauptschule soll abgeschafft werden! Das nenne ich eine gute Nachricht. Aus unerfindlichen Gründen sind unsere Politiker der Meinung: Es gibt nur noch schlaue Kinder. Ergo: Wir brauchen die Hauptschule nicht mehr. Sie ist nur noch als soziales Auffangbecken für Migrantenkinder und Nest für die braune Brut bekannt gewesen. 90% Der Kids sind jetzt von Geburt an so schlau, dass sie quasi mit Diplom und Doktorwürden auf die Welt kommen.

Fazit: Ich meine, wir sollten die Universitäten abschaffen. Alles Wissen ist im Internet zu finden und Können ist nicht gefragt. Warum dem Nachwuchs den Weg mit veralteten und überholten Schulsystemen verbauen

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AI – Apple Idiot – Verblödung der Massen

AI- Apple IdiotsIn besseren Zeiten war AI alias Artificial Intelligence alias Künstliche Intelligenz das Pseudonym für ein unermüdliches Streben nach besseren/intelligenteren Computern und Maschinen. Immer komplexere Aufgaben sollten sie lösen, in immer kürzerer Zeit. Dazu reichte es nicht, die Rechen- und Speicherleistung zu erhöhen. Es mussten neue Denk- und Lösungsmodelle gefunden werden. Jede Uni, jedes Labor oder jedes Institut hatte ein Projekt, welches die Maschine als perfekten Ersatz für den Menschen schaffen wollte. So ehrgeizig diese Pläne auch waren, ihr Ziel konnte nicht realisiert werden. Doch was kann getan werden, wenn eine Problemstellungen nicht lösbar ist? Diese einfache Frage konnte nur einer beantworten. Ein einzelner Mann.

Messias der Massen

Von den einen wird er als Messias bezeichnet und von den anderen, als ein Vertreter Luzifers verteufelt. Gemeint ist nicht Bill Gates. Bill Gates hat sich durch seinen Rückzug aus dem aktiven Microsoft Geschäft und Spenden in Milliardenhöhe freigekauft. Die Aldi-Brüder sind auch aus dem Rennen (zumindest der eine). Gemeint ist ein Mann, der scheinbar schon von der Bühne der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden war. Einer, der völlig pragmatisch all seine Energie in eine Sache steckt. Maximaler Einsatz für maximalen Erfolg. Gemeint ist Steve Jobs. Gründer und Retter von Apple. Mit seinem I-vor allem, revolutionierte er die Computerbranche. Er erkannte frühzeitig, dass es nicht darum geht, Maschinen an Menschen anzupassen, sondern Menschen an Maschinen. Mit dem IPod war der erste Schritt getan. Trotz vieler Einschränkungen, oder gerade wegen diesen, wurde die kleine Musikkiste ein Erfolg, welcher scheinbar kaum noch zu toppen war. Die kleine Krachschachtel die das Hör- und Konsumverhalten veränderte, ist heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Schlechte Soundqualität, DRM und viele andere Einschränkungen wurden gesellschaftsfähig. Zweck dieser Einschränkungen war es, komplizierte Sachverhalte, wie zum Beispiel den Kopierschutz und die rechtlichen Fragen im Vorfeld schon abzufangen und vom User wie auch vom Musiclabel, fern zu halten. Ziel war es, dem User soviel Eigenständigkeit wie möglich zu nehmen. Frei nach dem Motto, was du nicht haben kannst, willst du auch nicht. Apple hat es perfekt verstanden, solche Restriktionen als Feature zu verkaufen! Werden solche Dogmen oft genug wiederholt, so werden sie irgendwann zur anerkannten Wahrheit. So ist es plötzlich super, wenn man sein mobiles Device nur noch an einem Rechner befüllen kann. So ist es “en Vogue”, wenn dies über nur eine Software geschehen kann. Wie steht es schon in der Bibel? “Du sollst keine Gottheit neben mir haben”, oder so ähnlich. Nachdem die Gehirne der Apple-Jünger von der Musik und die durch Elektronik beigemischten unterschwelligen Botschaften (Apple ist super, Apple kann alles, kauf Apple…) total weichgekocht worden waren, war der Weg geebnet für die nächste Stufe. Dem mobilen telefonieren muss der Garaus gemacht werden!

24 Stunden nutzbar

Ein Telefon, welches sich kaum zum telefonieren eignet und dennoch unglaubliche Kosten verursacht, durch Funktionen, die nie jemand benötigte. Selbstverständlich kann man das Telefon offiziell nur in einer Kirche, pardon in einem Geschäft kaufen (Du sollst doch keinen Gott neben dem einen haben). Wer das IPhone dann sein Eigen nennt, wird natürlich niemals schlecht über dessen Funktionalität reden; oder die Akkulaufzeit – maximal 24 Stunden bei normalen Nutzen der vielen Features; oder die Sprachqualität. Inzwischen gibt es die 4. Generation der Verdummungsmaschinen und alle kaufen, was das Zeug hält. Zum Glück stellt Apple Firmware-Updates bereit, die die Hardware immer wieder auf die neuen Funktionen upgraded. Steve ist natürlich so schlau und bremst die Hardware so aus, das es keinen Spaß mehr macht, diese alten Geräte zu nutzen. Bestes Beispiel Iphone 3G: Wer es auf IOS 4 upgegraded und die Frechheit besitzt, auch noch über einen Jailbreak das Multitasking freizuschalten, wird mit einem nicht nutzbaren ultralangsamen Stück Metallplastik bestraft. Mit dem alten Iphone-Betriebssystem 3.x und dem Proswitcher funktionierte Multitasking um Klassen besser und komfortabler, als in der aktuellen Apple-Orignal-Software. Also besser das neue IPhone kaufen.  Dank schnelleren Prozessors funktioniert dann das Multitasking und viele andere neue Features, die ein unbedingtes “Must have” sind, wieder einwandfrei. Wer sich auf den einzigen Gott in der Telefon- und Tarif-Welt einlässt, der freut sich auch über die vielen Einschränkungen, die von den Engeln, in Form der Telekom verkündet werden. Tethering, Messenger Voicebox und und und dürfen nicht oder nur gegen Aufpreis genutzt werden. Zum Glück sind das ja keine Einschränkungen sondern dienen nur dem Wohl des Users.

Der Retter der Buchbranche

Um die letzten Ungläubigen noch zu überzeugen, zauberte Guru Steve dann das IPad aus der Tasche. Ebook-Reader schrien alle. Videoplayer riefen die anderen. Surfmaschine klang es aus der einen oder anderen Ecke. Als Retter der kränkelnden Buchbranche wurde der allmächtige Steve gefeiert. Die Verleger warfen sich ihm an den Hals und freuten sich über neue Absatzmärkte. Scheinbar sind die Entscheider der Verlage ein wenig Ver-I-blödet. Die Technik des IPads, insbesondere der Screen, schließt eine intensive Nutzung als Reader aus. Alle Argumente die jahrelang gegen die Verwendung von TFT, LCD und sonstigen hinterleuchteten Bildschirmen sprachen, waren vergessen. Keiner möchte hier behaupten, dass die Qualität des IPad- Screens schlecht wäre. Er ist einfach nur nicht gut für die Augen beim Lesen. Besonders lustig: Das extrem stark spiegelnde Display macht ein Lesen oder die Benutzung als Videoplayer, Ebookreader oder Gameboy-Ersatz im Freien bei Sonne unmöglich. Kein spielen, Filme schauen, lesen oder surfen am Pool oder im Garten möglich. Ich jedenfalls nutze meinen Reader mit E-Ink bei 40 Grad in der prallen Sonne und kann meine Bücher in perfekter Qualität ohne Spiegelungen lesen.

Der Klingelbeutel von Steve füllt sich.

Es stellt sich die Frage: Was mache ich mit einem mobilen Device was ich nur in geschlossenen Räumen nutzen kann? Wie mobil ist man dann noch?  Es ist mir unverständlich, wie die Verlagsverantwortlichen so etwas übersehen können. Es ist mir auch unverständlich, wieso für ein Ebook, ohne physischen Gegenwert der gleiche Preis wie für ein Papierbuch verlangt wird. Es ist auch unverständlich, wieso nicht alle Bücher verfügbar sind? Ich unterstelle einfach, das 99% aller Publikationen auf elektronischem Wege erstellt werden. Ob nun ein Ebook oder ein Postscript (für den Druck) am Ende des Produktionsworkflows steht, sollte kaum einen Unterschied machen. Selbstverständlich lässt sich das IPad, wie alle anderen I-ngeschränkten Devices, nur über Apple ITunes mit Content befüllen. Der Einkauf über den App-Store oder ITunes füllt also den Klingelbeutel unseres Gottes Steve permanent.

Fazit: Wer objektiv vergleicht, der wird feststellen, dass der Mythos Apple hauptsächlich durch schickes Design und I-nschränkungen definiert ist. Getreu dem Türsteher-Motto: “Du kommst hier nicht rein” wird alles, was der Gottheit Steve nicht in den Psalm passt, ausgeschlossen. Besonders anfällig für die Paradigmen von Apple sind unsere hochbezahlten Marketing-Fachleute. Diese feiern sich eigentlich nur noch selbst und definieren sich über ihre IGadgets. Wer kein IDevice hat, gehört einfach nicht dazu. Ebenso wer keine Brille mit schwarzem Kunststoffgestell hat, keinen schwarzen Anzug und keinen VW oder Mercedes. Ebenfalls ohne Status Quo sind Marketiers, die sich weigern “Buzzwords” zu nutzen und dem ganzen Socialmedia, Web 2.0 und sonstigen Hypes, kritisch gegenüberstehen.

Aus dem Bestreben, das Leben besser und die Maschinen mit Artifical Intellegence besser zu machen, ist genau das Gegenteil geworden. Kritisches Hinterfragen und objektiver Umgang mit Informationen, ist der neuen Bedeutung des Wortes AI gewichen: Apple Idiots. Einer führt, alle anderen folgen. Keiner möchte mehr die Maschinen besser und intelligenter machen um Menschen zu unterstützen. Lieber den Menschen einschränken. Das ist die neue Aufgabe der AI. Besonders in der Apple verliebten Medienbranche macht sich eine selbstgefällige Lustlosigkeit an der Objektivität breit. Sobald einer der Ihren etwas verlautbaren lässt, plappern die anderen nach, was Sekunden vorher konsumiert worden ist. Durch besonders I-nfache Bedienung, dank “weiterleiten”, “retweet” oder “Gefällt mir”-Button kann man gezielt Informationen ohne Aufwand von seinem IDevice absetzen

So entstehen Wahrheiten, Trends und Hypes.

PS: Natürlich bin ich als ordentlicher Medienschaffender im Besitz fast aller IDevices. Wenn ich ehrlich bin, überzeugt mich das Design so sehr, dass ich mit den Einschränkungen fast leben kann. Aber nur fast….

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Fahne zeigen für gar nichts – Niveau und Niedergang

Ganz Deutschland zeigt Flagge und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Überall flattern die Deutschlandfahnen im Wind. Dass dies kein Aufwind ist, scheint keiner wahrzunehmen. Erschreckend, wie sich Deutschland in ein Land von Fußballfans gewandelt hat. Für die Nationalelf bezieht Deutschland Stellung. Jeder verwandelt sich in einen Fußball-Experten. Manche haben sogar eine Meinung. Völlig unverständlich eigentlich! Sonst ist der Deutsche jemand, der im Stillen Freude zeigt oder alleine im Keller sitzt und weint. Für nichts geht der Deutsche auf die Straße. Vorbei sind die Zeiten, als Ostermärsche und Anti-Atomkraft-Demonstrationen Tausende auf die Straße lockten. Vorbei sind die Zeiten, als man sich solidarisch mit Arbeitern, deren Jobs in Gefahr sind, erklärte. Keiner geht für Opel auf die Straße, keiner ging für die Siemens-Mitarbeiter in Kamp-Lintfort auf die Straße, keiner ging für die Nokia-Mitarbeiter in Bochum demonstrieren. Einzig die Betroffenen selbst sind motivierbar. Die Anderen denken nur: Puhh, was für arme Schweine. Zum Glück hat es mich nicht getroffen.

Rentennullrunden, Diätenerhöhungen, LKW-Maut, Bildungsmisere, Überschuldung des Staates, nichts bewegt die Massen. Einzig der Ruf eines kleinen Kunstlederballes kann Millionen begeistern. Ist es das Hoffen auf einen kleinen Erfolg, welcher die Massen Hurra schreien lässt? Hat der Deutsche längst erkannt, dass es sich nicht mehr lohnt, für den deutschen Staat zu kämpfen? Ist den Deutschen schon bewusst, dass sie den Kampf um den Sozialstaat verloren haben und nichts mehr zu erwarten ist? Ist das der Grund, warum so etwas unwichtiges und nichtiges wie ein sportliches Ereignis gefeiert wird, wie das Erscheinen des Heilands?

Milliarden zu verschenken!

Kein Mensch ist auf die Straße gegangen, als Milliardenbeträge für die Bankenrettung zur Verfügung gestellt wurden (wo sind die Billiarden-Gewinne der letzten 50 Jahre geblieben?). Kein Deutscher hat sich ernsthaft aufgeregt über das viele Geld für Griechenland (bei einem Geschäftsmann hätte man von Insolvenzverschleppung gesprochen und ihn ins Gefängnis geworfen). Auch vom Rettungspaket für die Automobilindustrie redet hier keiner mehr (ging es den japanischen, koreanischen und französischen Autobauern auch schlecht?). Niemand hat gefragt, ob das Geld überhaupt vorhanden ist, welches mit aller Kraft von unseren Politikern zum Fenster herausgeworfen wurde. Jetzt erst merken die Politiker, dass wir sparen müssen? Sparen für Griechenland, für japanische Autobauer, für amerikanische Banken? Ich persönlich würde ja lieber für mich sparen, da ich ja wohl nicht mehr mit einer Rente rechnen kann, oder? Was muss ein Politiker tun, um so viele Menschen, wie der König zu begeistern? König Fußball regiert die Welt und nicht etwa nüchtern denkende Menschen. Bei jedem noch so unbedeutenden Tor tobt ganz Deutschland vor dem Fernseher und beim Public-Viewing. Wenn Frau Merkel eine Rede hält, sind höchstens einige wenige Enthusiasten zu begeistern. Von den Schulklassen, die zu solchen Veranstaltungen gekarrt werden, redet hier keiner. Im TV sieht man nur Unmengen von Menschen. Ob politisch motiviert oder von höherer Stelle gezwungen, spielt keine Rolle. Hauptsache es sieht aus, als würde sich jemand interessieren.

Der doofe Deutsche zahlt

Benzinpreise erklimmen astronomische Höhen und wen interessiert es? Den ADAC! Der Autofahrer tankt. Komme was wolle. Egal wie hoch die Kosten für Benzin sind. Es wird getankt. Aber wehe der Bundestrainer schließt einen Spieler aus, der von den Massen als geeignet angesehen wird. Die Titelseiten aller Boulevard-Blätter überschlagen sich mit Kritik und Aufrufen zum Massenboykott. Das mal eben die Umwelt von BP zerstört wird oder das die Laufzeiten der altersschwachen Kernreaktoren verlängert wird, nimmt der gemeine Deutsche maximal zur Kenntnis und ignoriert es dann geflissentlich. Ein Achselzucken und ein geseufztes: “Ich kann doch eh nichts ändern”. Mehr Begeisterung ist für Themen von existenzieller Wichtigkeit nicht zu erwarten. Doch wehe Deutschland zieht ins Viertel-, Achtel-, oder Halbfinale ein. Ein wenig erinnert mich das ganze an das alte Rom. Dort gab man dem Volk auch Brot und Spiele. Heute ist es Harz IV und Fußball anstelle von Brot und Gladiatoren.

Ich wünsche viel Glück

Ich persönlich wünsche der deutschen Mannschaft jedenfalls viel Glück (wobei mit Glück alleine kann man nicht gewinnen) und hoffe, dass der eine oder andere Fan seine Begeisterung in den tristen Alltag retten kann und für wirklich wichtige Dinge einsteht. Ich hoffe, dass der nächste Euro nicht für eine Tröte ausgegeben wird, sondern für den Wiederaufbau eines funktionieren Krankenkassensystems. Ich hoffe, dass die nächste Eintrittskarte die zur Rente sein wird und nicht eine Nummer bei der Arbeitsagentur. Ich werde jubeln, wenn wir eine Lösung zur Umweltproblematik erarbeitet haben. Ich werde Hurra rufen, wenn die Jugend in Deutschland die Jugendlichen im internationalen Vergleich im Wissenswettbewerb um Längen geschlagen hat. Wenn Energie billiger wird und nicht teurer und teurer, werde ich persönlich einen Flaggenmast im Vorgarten “einbuddeln” und jeden Morgen die Nationalhymne singen (die komplette Hymne natürlich). Liebe Mitmenschen, bitte verzeiht meine Ignoranz, aber ich werde nicht für eine sportliche Leistung Hurra schreien, solange es in Deutschland Kinder gibt, die hungern, die bildungsfern aufwachsen. Ich weigere mich, an einem spätabendlichen Autokorso teilzunehmen, um ein gewonnenes Spiel zu feiern, solange es Rentner gibt, die nicht wissen, wovon sie ihre nächste Mahlzeit bezahlen sollen.

Ich bin gegen alles!

Ich weigere ich mich den Fifa-Funktionären, den Privat-Fernseh-Mogulen, Geld in den Rachen zu werfen, solange der Ottonormalbürger auf die Zusammenfassung im öffentlich-rechtlichen-TV warten muss. Was mich wundert, ist die Tatsache, dass diese Ablenkung von sozialen Mißständen ebenso lange funktioniert, wie das Wahlversprechen als Corpus Delicti oder sonstigen Unsinn der seit Jahrzehnten zelebriert und propagandiert wird.

Für mich hören sich die Vuvuzelas wie die Posaunen von Jericho an. Aber das passt zum Gesamtbild: Wir gehen mit Pauken und Trompeten unter.

Fazit: Fußball ist Opium fürs Volk und lenkt von echten Missständen ab. Hat jemand überhaupt wahrgenommen, das die Krankenkassenbeträge erhöht wurden? Nur mal so?

PS: Und wer nicht singen will, der  fliegt raus…

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