Neulich im Bus – ÖPNV: Nö

Neulich im Bus Manchmal treiben mich verrückte Ideen an. So ergab es sich, dass ich mitten in der Woche auf den Gedanken kam, mit Hund und Frau in die Stadt zu laufen. Dort wollte ich einen Schoko-Whuppie essen und dann durch den Stadtpark zurück nach Hause laufen. So war zumindest der Plan. Leider haben wir bis knapp 18.00 Uhr gebraucht, um ins Moerser Stadtzentrum zu laufen. Dort mussten wir feststellen, dass die Öffnungszeiten nicht ganz mit dem Warenbestand korrespondierten.
Whuppies nur noch mit Zimt und ohne Schokolade! Nein Danke! Dann lieber nichts. Also ab in den Park, das Fellknäuel bespaßen. Eine große Runde und dann zurück. Auf dem Rückweg reifte dann der Plan in uns, die müden Füße etwas zu schonen. Bus fahren!!! Wir könnten so den totalen KFZ-Verzicht üben und mit dem Bus nach Hause fahren. Gesagt getan!

Die Grand Central Station des kleinen Mannes

Der „Königliche Hof“ ist „die“ Haltestelle in Moers. Der Busbahnhof schlechthin. Quasi die Grand Central Station des kleinen Mannes. Leider gar nicht mehr so königlich, wenn man dort steht. Direkt an der Hauptverkehrsader unserer kleinen Stadt, darf man getrennt vom Radweg, auf das Verkehrsmittel der Neuzeit warten. Zwischen Spuckspuren, Kaugummiresten und Zigarettenstummeln und sonstigen nicht mehr identifizierbaren Bodenbelägen. Keine Sitzgelegenheit! Aber zum Glück etwas Schatten. Öffentliche Toilette ist hier auch Fehlanzeige. Die wurde vor Jahren schon zugemauert. So macht warten auf dem Bus richtig Laune! Pünktlich fährt der Gelenkbus neusten Baujahres vor und nimmt uns erstmal an Board.

Keine Ahung von gar nichts – Busfahren ist schwierig

Die erste Hürde: Wohin? Wie heißt die Haltestelle? Woher zum Teufel sollen wir wissen, wie die Haltestelle heißt? Wir fahren ja nie Bus! Zu unserem Glück wusste es der Busfahrer ebenfalls nicht. Ich glaube er hat dann irgendwann einfach 2,50 Euro gesagt – nur um nicht mehr mit uns reden zu müssen. Immerhin war er nur zurückhaltend genervt und nicht unfreundlich. Heute muss man ja für so wenig dankbar sein! Wie zu schlimmsten Schlägerzeiten schaue ich mir die bereits im Bus befindlichen Passagiere an. Ein einzelner, mit Bierflasche bewaffneter und nach selbigem riechender Fahrgast sitzt mit uns in der vorderen Hälfte des Buses. So weit so gut. Der scheint friedlich zu sein. Trotz der Erscheinung. Flugs nahmen wir auf dem Behindertensitz platz, natürlich nur damit der Hund ordentlich sitzen kann! Selbstverständlich wären wir sofort aufgestanden, falls ein bedürftiger den Platz benötigt hätte. Die Türen gehen zu. Es geht los. Wir sind alle total aufgeregt. Es ist die Premiere für unseren Kampfhund und seit Jahrzehnten die erste Busfahrt, welche wir selbst in unserem Heimatland unternehmen. Jetzt aber! Nein. Doch nicht. Es kommen noch zwei Damen angewetzt. Eine mit einem neumodischen Kaffee2go bewaffnet und die andere mit Einkaufstaschen. Scheinbar ein erfolgreicher Einkaufsbummel. Die Tür schließt sich mit einem leisen Zischen hinter den beiden Damen. Die Seitenneigung des Buses verschwindet und der Hund wundert sich. Wir uns auch über einige unverständliche Kommentare vom bierhaltenden Fahrgast in Richtung Busfahrer.

Sitzen bleiben und Fresse halten!

Dieser will im energischen Ton der Diskussion ein Ende bereiten und wechselt vorsorglich vom freundlichen „Sie“ auf das persönliche „Du“. So hat er wirkungsvoll einen Anstieg vom Niveau bei dieser Auseinandersetzung verhindert. Wir sind total erschüttert vom rüden Tonfall des Busfahrers. Es scheint darum zu gehen, dass eine Tasse Kaffee offen mit in den Bus gebracht werden darf, aber die Bierflasche zu sein muss. Interessant. Scheinbar hat der Busfahrer hier mit zwei Maßstäben gemessen. Klar, dass da der Ärger vorprogrammiert ist. Mittlerweile ist es uns mehr als unangenehm, zumal der biertrinkende Mitfahrer uns nach Zustimmung suchend anschaut. Der Busfahrer hat mittlerweile einen Tonfall, der vermuten lässt, dass es gleich zu einer handfesten Auseinandersetzung kommt.

Akuter Schulungsbedarf bei den NIAG-Fahrern

Nach nur drei Haltestellen gibt der mit einer Bierflasche bewaffnete Fahrgast auf und steigt ziemlich sauer und genervt aus. Wohlgemerkt: ohne nur einen Schluck aus der Flasche genommen zu haben!  Ich kann gar nicht sagen, was ich bei diesem Erlebnis schlimmer fand. Das Verhalten des Fahrgastes oder des Fahrers? Das Verhalten gegenüber dem Fahrgast war ein absolutes No-Go. Meiner Meinung nach durchaus abmahnfähig durch den Arbeitgeber. Es stellt sich die Frage, ob die NIAG es versäumt, ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Ein Du hätte keinesfalls über die Lippen des Fahrers kommen dürfen. Der Tonfall hätte keinesfalls aggressiv werden dürfen. Der Fahrer hätte weder den Bierflaschenträger noch die Kaffeetassenträgerin in den Bus lassen dürfen. Wir sind jedenfalls von den öffentlichen Verkehrsmitteln geheilt und laufen lieber oder fahren mit dem Auto. Dem Hund hat es im überigen auch nicht gefallen.

Über Michael Kozlowski

Vom ZX-81 über Amiga und PC zum Apple und dann im Netz hängen geblieben. Von BTX über Z-Netz zum „Internetz“ kürzer kann man es nicht zusammen fassen.

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