„Sechs setzen“ Rechnen schwach, Steuern zahlen gut!

Sechs setzen! Rechnen schwach, Steuern zahlen gut!

steuern.jpgDies war ein Spruch, welcher neben vielen anderen meine Jugend prägte. Getrieben von dem Drang, immer der Klassenclown sein zu müssen, blieb das eine oder andere Fach ein wenig, wie soll ich sagen, unberücksichtigt? Das Einzige, was schon immer gut von der Hand ging, war der allseits beliebte Dreisatz, dieser begleitete mich durch meinen gesamten Schulweg, bis in die „Jetztzeit“. Von Selbstzweifeln geplagt, dachte ich, mein ganzes Leben wäre nichts wert. Doch die Zeitungsmeldungen der letzten Tage lassen mich einen Silberstreifen am Horizont erkennen. Groß wird dort verkündet, dass ein „durchschnittlicher“ Steuerzahler 53% seines Einkommens an den Staat verliert. Angeblich unter Berücksichtigung aller Steuern wie Mehrwertsteuer, Kfz-Steuer, Versicherungssteuer, Tabak- und Alkoholsteuer usw. Nun gut, an sich keine erschreckende Neuigkeit. Gefühlt und gerechnet scheint es aber viel mehr. Die Frage ist: „Wer ist ein solcher Steuerzahler“? Ich und alle, die ich kenne, definitiv nicht. Schon auf dem Lohnzettel bleiben lediglich 59 % erhalten. Ziehe ich jetzt die 19 % Mehrwertsteuer, abbleiben doch wirklich nur noch 40 % im Portemonnaie. Rechne ich jetzt noch für unsere Raucher Tabak- und für die Autofahrer die Mineralölsteuer hinzu, bleiben wir wohl weit unter der träumerischen 40%-Marke über. Sicherlich ist auch dies eine Milchmädchenrechnung, doch ich gebe nur einen kleinen Teil meines Einkommens für Essen aus. Der wesentlich größere Teil wird für Konsumwaren „reinvestiert“. Ein beträchtlicher weiterer Teil geht für die Mobilität verloren: Benzin, Kfz-Steuer, Inspektionen usw. Das Rauchen und der Konsum von Alkohol wurde zugunsten von Sport und Fitness aufgegeben. Doch leider muss auf jeden Laufschuh und jeden Monatsbeitrag ebenfalls Steuer entrichtet werden.

Arztsteuer

Auch der Besuch von Ärzten (10 Euro Eintritt), Rezeptgebühren usw. inzwischen als Steuer anzusehen. Bei einer Gebühr oder bei einer Versicherung erwartet man in der Regel eine Gegenleistung. Dies ist in Deutschland schon lange nicht mehr der Fall (ich erwarte zumindest nichts mehr von meinem Heimatland). Die Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, und sonstige staatlich aufgebürdete „Versicherungen“ sind mehr Spende als Versicherung. Wer heute von seiner Rente eine Gegenleistung erwartet, die im Verhältnis zum bezahlten Beitrag steht, der sollte sofort mit den Drogen aufhören. Ebenso Arbeitslosenversicherung: Schön, wenn 10 oder 20 Jahre einbezahlt wurde und nach einem Jahr als Bittsteller in ALGII gewechselt werden muss. Krankversicherung ist auch ein schönes Pseudonym für Leistungen, die nicht mehr von der gesetzlichen KV abgedeckt werden. Die einzige Leistung, die noch erbracht wird, ist das Entgegennehmen der 10 Euro Eintrittsgebühr. Nach Heilung sucht man in 90 % der Fälle vergeblich. Sollte die Diagnose des Arztes wider Erwarten richtig sein, besteht kaum Aussicht auf Heilung. Die benötigte Leistung ist nicht im Standardversicherungspaket enthalten, aber es gibt eine ganz neue, nicht von der Krankenkasse anerkannte Behandlungsmethode. Wenn Sie Geld haben, heilen wir sie gerne. Achso, Sie sind nicht Zusatz-versichert. Dann nehmen Sie bitte zwei Aspirin und kommen wieder, wenn Sie gesund sind. So oder ähnlich hört man es deutschlandweit beim Arztbesuch. Doch dies ist ein anderes Thema. Es geht ja schließlich um unser liebes Geld und nicht um unsere Gesundheit.

Es geht uns gut!

Selbstverständlich geht es uns gut, doch es ging uns schon besser, aber auch schon schlechter. Doch rein vom Gefühl ging es uns niemals mieser als heute. Das Benzin wird ebenso zum Privileg der Reichen werden, wie eine vernünftige ärztliche Versorgung. Der Staat ist zunehmend damit beschäftigt, sich selbst zu „verwalten“ anstatt im Sinne der Bürger zu „schalten“. Die Bierdeckelsteuerreform war eine tolle Idee, doch leider zu einfach. Es wäre ja langweilig, plötzlich einfach nur 50 % seines Einkommens abzugeben (Die 25 an gedachten Prozent sind sehr unrealistisch gewesen). Viel zu einfach für „good old Germany“. Immerhin ist unser Steuerrecht das komplizierteste und das soll ja auch so bleiben, schließlich ist „Made in Germany“ ja ein Qualitätsmerkmal, welches es zu pflegen gilt. Was uns fehlt, sind Entscheider, die etwas bewegen! Bei Regierungsentscheidungen hat man immer das Gefühl, dass die Abgeordneten sich zu Tode langweilen und wenn einer mal was entscheiden will, wird das aus Prinzip niedergemacht. Wenn unser Verteidigungsminister meint, er muss die Bundeswehr im Ausland einsetzen, dann ist das so, Punkt aus, Ende. Klagen gegen alles und jeden Beschluss einzureichen und irgendwelche Grundsätze zu diskutieren ist sinnlos, solange man keine hat. Entweder man tut Dinge oder man tut sie nicht (mit der Bitte um Entschuldigung fürs „tuten“). Aber Dinge, die man anfängt, bringt man auch zu Ende. Eine meiner Lebensweisheiten, die mir aus frühster Jugend mit auf dem Weg gegeben wurden und die sich bis heute immer wieder bewahrheiten. Manchmal muss man auch zu unpopulären Entscheidungen stehen, auch wenn es weh tut. Sicherlich sind manche Entscheidungen falsch, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende ist ebenfalls eines der schönen Sprichwörter. Doch bis zum Schrecken kommt unsere Regierung leider nicht. Da scheitert es schon am Anfangen. Es geht nur noch um: Man könnte ja, es würde vielleicht, wenn man eventuell …. usw. Manchmal entwickeln sich Chancen aus Konsequenzen. Doch im Vorfeld schon alles abwägen zu wollen, dürfte jede positive Entwicklung verhindern.

Fazit: Weg mit den Steuern, hin zur prozentual zu berechnenden Einheitsabgabe für Angelegenheiten des öffentlich sozialen Interesses. Eine Abgabe, die für jeden gleich und für jeden verständlich ist. Ich verstehe nicht, warum jemand, der viel Geld hat, mehr Möglichkeiten hat, Steuern zu sparen, als jemand, der kein Geld hat. Das Gegenteil wäre logisch, hat aber in Regierungskreisen und bei Vielverdienern etc. keine Lobby. Immer wieder hört man den Ruf nach Steuergerechtigkeit: Man müsste mal, wenn man könnte, ja dann würde es eventuell, wenn nicht gerade Morgen ein anderer Wochentag wäre. Eine tolle Sache, die Bierdeckelreform. Was wäre wohl, wenn ich das nicht geschrieben hätte und das hier nie gelesen würde, wäre dann die Welt besser? Tja, es ist geschrieben und es ist gelesen, also werden wir das wohl niemals herausfinden. Es sei denn, ja es sei denn, jemand erfindet, falls wenn und aber, nichts dazwischen kommt, eine „Hätte der Hund nicht in die Ecke geschissen, dann Wäre-Maschine“.