Warum Ja-Sager und Arschkriecher schlecht für das Geschäft sind…

Ja-Sager und ArschkriecherIch kann mich dunkel an einen Artikel erinnern, dass 70 % aller Entscheidungen falsch sind. Diese Fehlentscheidungen werden durch die 30 % richtigen Entscheidungen kompensiert. Um wie viel erfolgreicher müsste ein Unternehmen sein, könnte dieser Anteil verändert werden? Warum ist das Verhältnis so und nicht anders? Ich denke, dass in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen der Grundsatz gilt: Der Chef hat immer recht! Mit Sicherheit keine ganz schlechte Einstellung. Hat ein Unternehmen jedoch eine Größe erreicht, in der ein Einzelner nicht mehr über alle Fachkompetenzen in allen Bereichen verfügt, ist es wichtig, zuverlässige Leute in Schlüsselpositionen zu besetzen. Zuverlässigkeit definiert sich jedoch nicht aus Anwesenheit und uneingeschränkter Zustimmung. Ganz im Gegenteil. Ja-Sager und Arschkriecher sind vielleicht gut für das Ego eines Chefs, jedoch Gift für optimierte Verfahrensabläufe und zielorientes Denken und Handeln. Die Zeiten, als man als Chef noch „mal eben“ die Werbung machen konnte oder ein neues Produkt erfand und in der Produktion Hand angelegt hat, sind vorbei.Heute gibt es für jeden Bereich Spezialisten. Diesen jedoch muss man auch Kompetenz und Entscheidungsgewalt zugestehen.

Fehlentscheidungen kompensieren

Ist ein Unternehmen nach den üblichen flachen Hierarchien strukturiert, wird es problematisch, Fehlentscheidungen frühzeitig zu kompensieren. Das klassische Bild eines mittelständischen Unternehmens sieht heute noch aus wie vor 50 Jahren: Chef ->Geschäftsleitung->Abteilungsleitung->ausführende Angestellte und Arbeiter. Eine solch feste Struktur verhindert fast immer, dass Ideen, welche nicht aus dem Führungssegment stammen, Berücksichtigung finden. „Jede Innovation von „Unten“ gefährdet meinen Job“, so denkt zwangsläufig jeder Vorgesetzte, dem es an nötiger Kompetenz mangelt. Dabei rede ich nicht von der fachlichen sondern mehr von Führungskompetenzen. Da schreibt sich eine Geschäftsleitung große Erfahrung, Weitblick und Kenntnisse auf die Fahne und fällt dann mit Pauken und Trompeten auf die „Schnauze“. Was jedoch am Ende fehlt, sind Eingeständnisse, wie z.B.: „Da haben wir Mist gebaut!“. Selbstverständlich sind auch nicht selbige Fehlentscheider schuld. Nein, Schuld sind externe Dienstleister, Zulieferer oder der dumme unmündige Kunde. In manchen Fällen opfert man auch Mitarbeiter und diskreditiert diese. Diese Vorgehensweise stärkt zusätzlich noch die eigene Position im Unternehmen.

Gut für die Ja-Sager, schlecht für die Unternehmen

Für klassische Fehler gibt es hunderte von Beispielen. Neue Medien und alte Firmenchefs sind wie Feuer und Wasser. Früher wurde in der Zeitung geworben, also kann das heute nicht schlecht sein! Punkt! Neuster Trend ist das Onlinemarketing. Wenn man berücksichtigt das oft 70-80 % der Besucher über eine Suchmaschine zur Homepage eines Unternehmens finden, wird klar, dass dies ein ernstzunehmender Vertriebskanal ist. Zum Beispiel gibt es so genannte Suchmaschinenoptimierer die jede Firma auf Platz 1 in Google und Co. bringen. Fehlt die nötige Fachkompetenz, solche Angebote als Fabeln aus dem Reich der Mythen zu erkennen, werden schnell langfristig aufgebaute Rankings des bisherigen Webmasters zunichte gemacht. Entscheidet eine Geschäftsleitung oder ein Abteilungsleiter trotz der Einwände eines fachlich versierten Mitarbeiters solch unseriöse Angebote zu nutzen, hilft keine Argumentation mehr. Hier geht es nur noch um: Ich hab mehr zu sagen als Du! Gut für die Ja-Sager, schlecht für die Firma.

Kritik und Hinterfragungen

Oft werden von den Ja-Sagern und Arsch-Kriechern Scheinmeetings einberufen. Hier stellt die Führungsriege ihre Ideen vor und erwartet Diskussion (nicht wirkliche Diskussion sondern mehr Huldigung und blumig verpacktes zustimmen). Kritik und Hinterfragungen werden meist mit dem Argument abgetan, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt sei, diese vorzubringen. Vorgesetzte, welche sich beim Chef durch permanentes Ja-Sagen unentbehrlich gemacht haben, vernichten Kapital und treiben Firmen in den Ruin. Firmeninhaber welche Jahre, oft sogar Jahrzehnte lang von Arschkriechern umgeben waren, können leider nicht mehr die wahre Lage des Unternehmens einschätzen. Natürlich freut sich der Chef, wenn er hört: Ja Chef, alles super! Natürlich war Ihr Einfall klasse! Hat eingeschlagen wie eine Bombe! So oder ähnlich hört sich eine „Frühbesprechung“ in vielen Firmen an.

Die „Anderen“ werden assimiliert

Keiner traut sich zu sagen: „Chef, die Entscheidung war Mist, die Produktionskosten übersteigen den möglichen Gewinn“ oder „Chef, das Produkt will keiner“. Anstelle einer klaren Ansage, dass die letzte Entscheidung untragbar war, wird der Firmeninhaber bestärkt. Sprüche wie: Chef, ich war ja gleich Ihrer Meinung“, gehören ebenso zum Repertoire, wie Tasche tragen und Rasen mähen. Richtig problematisch wird es, wenn in diese geschlossenen Reihen von Ja-Sagern ein Realist tritt, welcher mit fester Stimme verkündet: „So einen Blödsinn hab ich ja noch nie gehört, Chef“.

Tja, liebe Leser, solche Mitarbeiter werden natürlich umgehend „schlecht“ geredet. Das Dumme an der Sache: Wenn 20 Leute ja sagen (Ja-Sager) und 40 Leute zustimmen (Arschkriecher) dann hat jemand der durch Fachkompetenz und klare Worte hervorsticht leider verloren. Denn unter 60 Leuten, welche sich in Zustimmung üben, fällt der eine Opportunist auf, wie ein Eimer Jauche in der Parfümerie.

Eine weitere Gefahr: Die Abwanderung von kompetenten, objektiven Mitarbeitern in andere Firmen, bei denen die Fähigkeiten und Kenntnisse gefordert, eingesetzt und honoriert werden. Kein Arbeitnehmer hat Lust permanent missachtet zu werden. Konsequente Opponenten kündigen, die „Anderen“ werden assimiliert und gesellen sich zu den Ja-Sagern.

Solche flachen Hierarchien leben von den mangelnden Konsequenzen. Keiner der Führungsmitarbeiter hat Bestrafung in irgendeiner Form zu befürchten. Wie auch? Fehler werden permanent anderen Mitarbeitern angedichtet oder so geschickt kaschiert, dass diese gar nicht wahrgenommen werden. Es soll Unternehmen geben in denen sich die Verantwortlichen über 80% ihrer Arbeitszeit bemühen gut dazustehen. Lediglich 20% werden auf das eigentliche Aufgabengebiet „vertan“.

Fazit: Jeder muss für sich entscheiden, ob er den Job nur nutzt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder ob auch ein Teil Selbstverwirklichung stattfinden soll. Prostituieren wird sich letztendlich jeder. An die Unternehmer: Sie machen doch Gewinn? Der Erfolg gibt Ihnen Recht? Wechseln Sie in die Rolle des Opponenten und fragen: „Warum haben wir nicht mehr Erfolg und warum ist der Gewinn nicht höher?“.

PS: Sorry für Ausdrücke wie: Arschkriecher! Für manche Wörter gibt es einfach keine trefflichen Synonyme!

Michael Kozlowski

Über Michael Kozlowski

Vom ZX-81 über Amiga und PC zum Apple und dann im Netz hängen geblieben. Von BTX über Z-Netz zum "Internetz" kürzer kann man es nicht zusammen fassen.
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2 Kommentare zu Warum Ja-Sager und Arschkriecher schlecht für das Geschäft sind…

  1. Posenwichtel sagt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen!!!
    Als Vorgesetzte von 4 hervorragenden Mitarbeiter/innen kann ich nur bestätigen, dass ihre hervorragenden Kenntnisse und Fähigkeiten den dünnen Ergebnissen der Ja- Sagern und Arschkriechern vorgezogen wird.

  2. JayC sagt:

    Toller Artikel, der es auf den Punkt bringt….wer kennt es nicht! Dieser Artikel sollte automatisch an alle Führungspositionen gesendet werden 😀

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