Urlaub – 31 Tage im echten Leben

31 Tage Urlaub vom Leben im Leben

Urlaub vom Leben oder Urlaub im Leben? Das ist wohl eine grundsätzliche Frage. Während die einen im Urlaub auf der Jagd nach neuen Eindrücken sind und von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen, kommen andere einfach an. Der eine giert nach intellektuellen Input, während der andere genau davon Abstand nimmt und sich einfach nur dem Leben hingeben möchte. Andere Verrückte springen aus Flugzeugen, stürzen sich von Bergen oder rennen wie von Sinnen durch die Gegend. Manche Menschen möchten an ihren freien Tagen unglaubliches erleben und wieder andere möchten einfach das Leben genießen, wie sie es sich vorstellen. Für den einen bedeutet das, den ganzen Tag im abgedunkelten Wohnzimmer die neusten Videospiele zu zocken, für den anderen bedeutet Urlaub, in ein Hotel zu fahren, sich dort mit Deutschen zu treffen, deutsches Essen zu genießen und den ganzen Tag am Pool, umgeben von lärmenden, deutschen Kindern, zu liegen und anschließend davon zu schwärmen wie toll die Türkei, Ägypten oder Mallorca waren. Wieder andere fahren Jahr für Jahr, Urlaub für Urlaub an den gleichen Ort und tun immer die gleichen Dinge. Sie empfinden dies als Erfüllung aller Urlaubswünsche.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Sympathie entsteht durch Wiederholung. Je öfters man jemanden sieht, umso sympathischer wird dieser jemand mit der Zeit empfunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach verhält es sich mit Orten, die besucht werden, ähnlich. Erst ist es nett, dann gut und schlussendlich ist es der Hammer.  Der Ort, an dem sich das Herz zuhause fühlt! Das ist ein schleichender Prozess.  Mit jedem Besuch steigt das Verlangen genau hierher zurück zu kehren.  Jemand der permanent neue Orte und Herausforderungen sucht, wird diese Erfahrung niemals machen. Er wird auf ewig Sklave seiner Sehnsüchte sein. Kein Ort, keine Herausforderung und kein Erlebnis bescheren dem Suchenden das Gefühl angekommen zu sein oder endlich genug von der Jagd nach Entertainment zu haben.  Noch eine Sehenswürdigkeit, noch ein Ort, noch ein Endgegner und jedesmal folgt eine neue vermeidliche Herausforderung. Letztendlich ist der Suchende in einem sich immer schneller drehenden Hamsterrad gefangen. Es gibt kein Entrinnen. Nur ein ständiges Vorwärtsdrängen. Ankommen? Fehlanzeige.  

Das andere Extrem – Immer das gleiche 

„The same procedure like every year, Ms. Sophie?“ Gerade die ständige Wiederholung der ewig gleichen Abläufe macht den Reiz dieser Komödie aus.Leider bemerkt niemand, wie man dabei zum eigentlichen Protagonisten wird. Wer bewußt das Bekannte sucht und sich nicht auf Neues einlässt, verhindert in jedem Fall enttäuscht zu werden. Immer die gleiche Ferienwohnung buchen, immer der gleiche Mietwagen-Anbieter, die gleichen Restaurants und die gleichen Leute. Komplett ohne Überraschungen! Flucht aus dem Leben in ein anderes Leben. Nämlich in das Leben, das einem als erstrebenswert erscheint. Frei von den Zwängen der Arbeit und den täglichen Erledigungen kann man das tun, was einem gerade in den Sinn kommt. Drei Stunden in einem Straßencafé sitzen und die vorübereilenden Menschen beobachten, sind zu Hause, getrieben von Terminen und Aufgaben, einfach undenkbar. Für diejenigen, deren Leben in strukturierten Bahnen verläuft ist gerade dieser Müßiggang die erstrebenswerteste aller Erholungsformen. Keinen Gedanken über die Dinge, die vor einem liegen, verschwenden. Einfach mal laufen lassen.

„The same procedure like every year, Ms. Sophie?“ Gerade die ständige Wiederholung der ewig gleichen Abläufe macht den Reiz dieser Komödie aus.

Leider bemerkt niemand, wie man dabei zum eigentlichen Protagonisten wird. Wer bewußt das Bekannte sucht und sich nicht auf Neues einlässt, verhindert in jedem Fall enttäuscht zu werden. Immer die gleiche Ferienwohnung buchen, immer der gleiche Mietwagen-Anbieter, die gleichen Restaurants und die gleichen Leute. Komplett ohne Überraschungen! Flucht aus dem Leben in ein anderes Leben. Nämlich in das Leben, das einem als erstrebenswert erscheint. Frei von den Zwängen der Arbeit und den täglichen Erledigungen kann man das tun, was einem gerade in den Sinn kommt. Drei Stunden in einem Straßencafé sitzen und die vorübereilenden Menschen beobachten, sind zu Hause, getrieben von Terminen und Aufgaben, einfach undenkbar. Für diejenigen, deren Leben in strukturierten Bahnen verläuft ist gerade dieser Müßiggang die erstrebenswerteste aller Erholungsformen. Keinen Gedanken über die Dinge, die vor einem liegen, verschwenden. Einfach mal laufen lassen.

31 Tage Urlaub im Leben anderer vom Leben

Im Urlaub Leben wie ein Einheimischer

Genau zu wissen, was man wo kaufen kann. Welche Pizza wo am besten schmeckt. Wo der örtliche Schuster arbeitet und in welcher kleinen Seitenstraße die Disco zu finden ist, deren einzige Werbung die Türschwelle ist, all das sind Dinge, die ein normaler Tourist niemals entdecken wird. Wer glaubt, im Trip-Advisor oder bei Holiday-Check jede Information zu finden, der wird hier ganz klar enttäuscht. In der Regel stammen die Bewertungen nämlich von Durchreisenden ohne Vergleichsmöglichkeit. Wer zumindest den Schritt vom Hotel zur Ferienwohnung wagt, hat eine wesentlich größere Chance, etwas vom alltäglichen Leben mitzubekommen. Natürlich neigen die meisten deutschen Urlauber dazu, auch hier altbekanntes zu suchen. Die benötigten Lebensmittel werden bei Lidl gekauft. Der Discounter ist natürlich viel einfacher zu nutzen, als der wöchentlich, in einer kleinen Nebenstraße stattfindende Wochenmarkt auf dem kein Anbieter Deutsch spricht. Ach ja, steht ja nicht im Trip-Advisior und im Reiseführer auch nicht. 

Das eigene Leben meistern 

Die Herausforderung, das Leben wieder selbst meistern zu müssen, ist der echte Spaß. Kein Rund-um-sorglos-Paket zur Absicherung im Hotel mit deutschsprachigem Personal. Vor der Speisekarte zu sitzen und nicht die geringste Ahnung zu haben, was man wohl gerade bestellt hat. Sich mit Händen und Füßen verständlich machen zu müssen und nicht das Gefühl zu haben, abgezockt worden zu sein. Die gleichen Preise wie die Einheimischen ohne Touristenaufschlag zu bezahlen, eingeladen werden, neue Leute (manchmal auch Landsleute) kennen zu lernen. All das passiert im Urlaub außerhalb eines Hotels. Natürlich lernt man auch Menschen im Hotel kennen. Doch meist sind es Landsleute die sich über das schlechte Essen und das nicht oder wenig deutsch sprechende Personal beschweren. Vielen Dank – Darauf kann ich persönlich mittlerweile gut verzichten.

Urlaub ist „Nach Hause kommen“

Wer immer wieder an den gleichen Ort fährt, ist irgendwann dort zuhause. Ankommen statt Reisen! Völlig ohne Aufregung den Urlaub von der ersten Sekunde an genießen. Ganz ohne hektisches recherchieren im Internet. Das tägliche Leben aufgrund eigener Erfahrungen meistern, ist plötzlich wieder spannend und erstrebenswert. Bars und Restaurants ganz ohne Bling-Bling entdecken. Als Einheimischer wahrgenommen zu werden, ist eine Art der Anerkennung die nur den wenigsten Urlaubern zu Teil wird.  Durch seine Wahlheimat schlendern und fremde Menschen wie alte Bekannte grüßen zu können, ein kurzes Pläuschen halten, all das sind Dinge, die einem Pauschal- und auch einen Individual-Touristen verborgen bleiben werden.

Zuhause ist dort, wo das Herz ist

Auf der ganzen Welt muss man für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Dies kann unter verschiedenen Gesichtspunkten stattfinden. In Deutschland werden wohl die meisten Menschen leben um zu arbeiten. In anderen Ländern arbeiten die Menschen um zu leben. Das fühlt sich gänzlich anders an. Wem der Job nicht gefällt, der macht eben etwas anderes. Materielle Dinge rücken in den Hintergrund und das Leben an sich in den Vordergrund. Titel und Tätigkeiten verlieren an Bedeutung. All dies sind Dinge, die einem beim Besuch der üblichen Touristenfallen entgehen.  Die Sorgen der im Urlaubsort lebenden Menschen kennen und teilen. Am Ende eines Urlaubs sollte man zum einen erholt sein und zum anderen vielleicht seinen Blick auf das Leben neu bewerten. Ist es wichtiger, einen riesigen Fernseher zu besitzen oder ohne Fernseher einen tollen Sonnenuntergang genießen zu können? 

Fazit: Entscheidend ist, was jeder für sich als erstrebenswert erachtet. Jeder muss für sich seinen Weg finden. Und wenn der bisherige Lebensmittelpunkt sich einfach nicht mit den eigenen Werten deckt, muss man sich entscheiden. Reicht dann ein Urlaub aus, um Kraft für die alltäglichen Herausforderungen zu sammeln? Oder sollte man die Herausforderungen anpassen und die eigenen Ansprüche neu bewerten? Fakt ist: Besitz besitzt dich. Mir reichen mittlerweile gutes Wetter und ein paar Laufschuhe. 31 Tage im Jahr, in dem das Leben einfach aus Leben besteht. Den Tag einfach auf sich zukommen lassen, spontan mit Freunden treffen und die Welt genießen. Auch wenn man drei unterschiedliche Sprachen sprechen muss. Eine einfache Pizza, ein paar Patatas Bravas und ein Glas Wein. Mehr braucht es eigentlich nicht, um einen Urlaubstag genießen zu können. Vielleicht braucht es ja auch nicht mehr, um das Leben genießen zu können.

Über Michael Kozlowski

Vom ZX-81 über Amiga und PC zum Apple und dann im Netz hängen geblieben. Von BTX über Z-Netz zum "Internetz" kürzer kann man es nicht zusammen fassen.
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